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12.06.2026
12:00 Uhr
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Die These, dass KI Softwareentwickler ablöst, hält sich. Massenentlassungen bei großen Techfirmen scheinen sie zu stützen. Doch das Bild ist differenzierter.

Als Microsoft-CTO Kevin Scott vor einem Jahr sagte, dass KI bis 2030 rund 95 Prozent des Codes weltweit schreiben wird, ging ein Raunen durch die Szene. Er prognostizierte, dass künftig nur noch jeder Zehnte Softwareentwickler gebraucht werde, um Programmieraufgaben zu erledigen. Wirtschaftsmedien von Business Insider bis India Today schrieben über die Erwartungen gigantischer Produktivitätsgewinne und warnten gleichzeitig vor massiven Arbeitsplatzverlusten.
Gefühlt vergeht kein Tag ohne einen neuen Reddit-Thread, in dem Tech-Fachkräfte über ihre künftige Rolle am Arbeitsmarkt diskutieren. „Was sollen wir jetzt tun? Ist mein Job sicher?“, fragte ein Entwickler erst im Mai dieses Jahres und überschreibt seinen Beitrag mit „AI Job Massacre“. Die Furcht vor Massenarbeitslosigkeit scheint Teile des Berufsstandes fest im Griff zu haben.
Florian Butollo nennt diese Angst realitätsfremd. Er ist Soziologieprofessor mit dem Schwerpunkt „Digitale Transformation und Arbeit“ an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Im März 2026 ist sein Buch „Das knappe Gut Arbeit“ erschienen. „Warnungen vor durch Technik bedingter Arbeitslosigkeit begleiten uns schon seit Langem“, erklärt er. „In den Siebzigerjahren galt der Roboter als möglicher Jobkiller. In den Neunzigern war es der Computer. Seit den Zehner-Jahren ist es KI.“ Befürchtungen, dass Maschinen Menschen die Arbeit wegnehmen, seien so alt wie der Kapitalismus selbst. „Der Denkfehler besteht darin, dass „nur die rationalisierende Rolle der Technik wahrgenommen wird und nicht die expansive Tendenz sowie die Tatsache, dass mit ihr neue Sachen gemacht werden.“